Redaktionell geprüft · Keine Rechts- oder Fachberatung
Häufig übersehen — oft nicht bekannt

Regal-Prüfung: Die übersehene Pflicht nach § 14 BetrSichV

Die Pflicht steht in § 14 Abs. 2 BetrSichV: Regale, die Schäden verursachenden Einflüssen ausgesetzt sind, müssen wiederkehrend durch eine befähigte Person geprüft werden. Das trifft vor allem zu, wenn mit Staplern oder anderen Flurförderzeugen ein- und ausgelagert wird. Die Frist ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung (§ 3 Abs. 6 BetrSichV); als Regelwert nennt DIN EN 15635 mindestens 12 Monate. Dazu kommen häufigere Sichtkontrollen, üblicherweise wöchentlich oder in einem Intervall, das die Lagerverantwortlichen per Risikoanalyse festlegen.

Mind. 12 Monate

Regelwert DIN EN 15635, befähigte Person

Wöchentlich

Sichtkontrolle, oder Intervall nach Risikoanalyse

3 Klassen

Grün / Orange / Rot — Sofort-Sperrung bei Rot

Warum das so viele nicht wissen

  • 1Feuerlöscher haben sichtbare Plaketten — Regale stehen einfach nur da.
  • 2DIN EN 15635 gilt erst seit 2008 breiter — ältere Betriebe haben die Norm oft nicht auf dem Schirm.
  • 3Es gibt keine BG-Pflichtplakette am Regal, fehlende Prüfungen fallen deshalb spät auf.
  • 4Bei BG-Kontrollen ist fehlende Regalprüfung einer der häufigsten Beanstandungsgründe.
  • Norm: DIN EN 15635 (Stahllager-Sicherheitsanforderungen)
  • Experteninspektion mindestens alle 12 Monate
  • Sichtkontrolle i. d. R. wöchentlich (Betreiber, Frist aus GBU)
  • Sachkundiger: Schulung nach DIN EN 15635

Regalprüfungen mit Frist, Sachkundigem und Nachweis führt Sicherio digital. Im Musterbetrieb ansehen oder 14 Tage kostenlos testen. Der Text geht darunter weiter.

Warum Regalprüfung so oft vergessen wird

Anders als bei Feuerlöschern oder Staplern gibt es keine sichtbare Erinnerung, keine Plakette am Regal, keinen Mechaniker, der jährlich vorbeischaut. Regale stehen — und wirken passiv. Das ist der Grund, warum diese Pflicht in der Breite unbekannt ist.

Regale wirken passiv

Feuerlöscher haben Plaketten, Stapler fahren — Regale stehen. Das suggeriert: da kann nichts passieren. Falsch. Palettenregale tragen oft mehrere Tonnen Last und sind durch tägliche Stapler-Anfahrten dauerhaft mechanischen Stößen ausgesetzt.

Die Norm ist relativ jung

DIN EN 15635 wurde 2008 eingeführt. Viele Betriebe haben Regale aus der Zeit davor — und denken, wenn sie damals gereicht haben, reichen sie heute noch. Das gilt so nicht mehr.

Keine BG-Pflichtplakette

Bei Feuerlöschern sind fehlende Prüfplaketten auf den ersten Blick erkennbar. Bei Regalen gibt es keine vergleichbare Sichtbarkeit — fehlende Prüfungen fallen erst bei gezielten BG-Kontrollen auf. Laut DGUV-Statistik ist es einer der häufigsten Beanstandungsgründe.

Die zwei Prüfebenen nach DIN EN 15635

Beide Ebenen sind Pflicht — sie ersetzen sich nicht gegenseitig. Das ist der am häufigsten missverstandene Punkt.

1

Wöchentliche Sichtprüfung

durch unterwiesenen Betreiber-Mitarbeiter

Jede Woche (bei intensiver Nutzung häufiger) prüft eine benannte Person auf offensichtliche Schäden:

  • Sichtbare Verformungen an Rahmen oder Traversen
  • Ausgehängte oder verschobene Traversen
  • Überladung oder herausstehende Ladung
  • Unleserliche oder fehlende Belastungsschilder
  • Lose oder gebrochene Fußanker
  • Fehlende oder beschädigte Anfahrschutze
Prüfung muss dokumentiert werden — keine formale Ausbildung nötig, aber Unterweisung Pflicht.
2

Jährliche Experteninspektion

durch ausgebildeten Sachkundigen

Mindestens einmal pro Jahr durch einen qualifizierten Sachkundigen mit Messtechnik und formellem Prüfbericht:

  • Systematische Prüfung jedes einzelnen Rahmens
  • Messung von Verformungen (Lot, Messschablonen)
  • Schadensklassifizierung Grün / Orange / Rot
  • Dokumentation im Prüfbuch
  • Schriftlicher Prüfbericht mit Empfehlungen
Ersetzt nicht die wöchentliche Sichtprüfung — umgekehrt auch nicht.

Wöchentliche Sichtprüfung — KW 36/2026

K. Müller · Lager-Verantwortlicher · 02.09.2026, 08:30 Uhr

2 Meldungen
A1

Gang A, Feld 1

A2

Gang A, Feld 2

A3

Gang A, Feld 3

Traverse Ebene 2 leicht verbogen — Klasse Orange, Reparatur beauftragt

A4

Gang A, Feld 4

B1

Gang B, Feld 1

B2

Gang B, Feld 2

GESPERRT

Fußanker lose — Klasse Rot, sofort gesperrt und entladen

B3

Gang B, Feld 3

B4

Gang B, Feld 4

6 × unauffällig1 × Meldung (Orange)1 × gesperrt (Rot)

Regal B2 stillgelegt, Reparatur beauftragt · Nächste Prüfung: KW 37/2026

Fiktive Beispieldaten

Die drei Schadensklassen nach DIN EN 15635

Jeder festgestellte Schaden wird in eine der drei Klassen eingeordnet — das ist Fachvokabular aus DIN EN 15635, das jeder Sachkundige und Betreiber kennen muss.

Grün — Unbedenklich

Typisches Beispiel

Innerhalb der Grenzwerte je Meter: Stütze bis 3 mm quer zur Gasse, 5 mm in Gassenrichtung, Verband bis 10 mm

Maßnahme

Bauteil gilt als sicher und betriebsfähig, keine Lastreduzierung nötig. Kennzeichnen und dokumentieren trotzdem

Orange — Gefährliche Beschädigung

Typisches Beispiel

Bis zum doppelten Grenzwert, also Stütze bis 6 mm quer, 10 mm längs, Verband bis 20 mm je Meter

Maßnahme

Baldmöglichst handeln. Einmal entlastet darf das Regal vor der Instandsetzung nicht erneut belastet werden

Rot — Sofort-Sperrung

Typisches Beispiel

Über dem doppelten Grenzwert, dazu gebrochene Fußanker oder ausgehängte Traverse

Maßnahme

Umgehend handeln: Regal entlasten und sperren, bis die Reparatur durchgeführt ist

Messwerte orientieren sich an DIN EN 15635. Genaue Grenzen variieren je nach Regaltyp — ein Sachkundiger bewertet korrekt.

Was oft falsch gemacht wird: Betriebe klassifizieren nach Gefühl statt nach Messung. Die Grenzwerte gelten immer je Meter Länge und unterscheiden sich je nach Bauteil und Richtung. Für die grüne Stufe nennt die DGUV Information 208-043: Stütze maximal 3 mm quer zur Gasse, 5 mm in Gassenrichtung, Verbände 10 mm. Bei doppelten Werten ist die Obergrenze von Orange erreicht, darüber liegt Rot. Ein Verband mit 10 mm ist also noch grün, eine Stütze mit 10 mm quer zur Gasse längst rot.

Wer darf prüfen? Der Sachkundige nach DIN EN 15635

Qualifikation des Sachkundigen

  • Besondere Schulung nach DIN EN 15635
  • Kenntnisse in Statik und Schadensklassifizierung
  • Beherrscht Messtechniken (Lot, Schablonen)
  • Meist externe Fachfirmen (Regal-Servicepartner)
  • Interne Sachkundige nach 2–3-tägiger Zertifizierung möglich

Kosten externe Prüfung

Kleine Lager (bis 20 Regale)150–400 €
Mittlere Lager (20–100 Regale)500–1.500 €
Große Lager (>100 Regale)1.500–5.000 €
Spezialregale (Kragarm, Durchlauf)20–50 €/Regal
Anfahrtspauschale80–200 €
Rechenbeispiel mittleres KMU (40 Palettenregale): Jährliche Inspektion ca. 800 € + 120 € Anfahrt + Reparaturen Orange-Klasse 200–2.000 € = ca. 1.000–3.000 € jährlich. Alle Kosten voll als Betriebsausgaben absetzbar.

Typische Regalschäden und ihre Ursachen

Orientierungshilfe für Lager-Verantwortliche und Sichtprüfer — was suche ich eigentlich bei der wöchentlichen Kontrolle?

Verformter Ständer (Regal-Stirnseite)

Orange oder Rot

Ursache: Anfahrschaden durch Stapler

Vorbeugung: Anfahrschutz anbringen, Fahrwegmarkierung im Boden

Verformte Traverse (Querträger)

Orange (>5 mm), Rot (sichtbare Durchbiegung)

Ursache: Überladung oder herunterfallende Palette

Vorbeugung: Lastkontrolle, korrekte Palettenauflage sicherstellen

Ausgehängte / verschobene Traverse

Rot — sofortige Sperrung

Ursache: Stoß beim Einlagern, fehlerhaftes Einhängen

Vorbeugung: Sicherungsstifte verwenden, Schulung der Staplerfahrer

Fußpunkt-Schaden (Bodenbefestigung)

Orange bis Rot je nach Ausmaß

Ursache: Korrosion bei feuchten Lagern, Überlast

Vorbeugung: Sichtprüfung der Fußanker in die wöchentliche Checkliste aufnehmen

Überschreitung der Traglast

Sofortiges Entladen bis Schilder klar sichtbar

Ursache: Fehlende oder unleserliche Belastungsschilder, fehlende Schulung

Vorbeugung: Schilder sofort erneuern, Lagerpersonal unterweisen

Warum Stapler-Anfahrschäden so häufig sind:

Gabelstapler sind die häufigste Ursache für Regalschäden im Lagerbetrieb. Enge Gänge, hohe Fahrfrequenz und fehlende Anfahrschutzvorrichtungen führen zu schleichenden Schäden, die ohne regelmäßige Sichtprüfung unentdeckt bleiben. Mehr zur Stapler-Prüfpflicht und Fahrerqualifikation.

Dokumentationspflicht — was muss erfasst werden?

Häufigster Beanstandungsgrund bei BG-Kontrollen: fehlende wöchentliche Sichtprüfprotokolle. Viele Betriebe haben die jährliche Inspektion — aber keine Wochendokumentation.

Pro Regal / Regalbereich

  • Eindeutige Kennung (Inventar-Nr. oder Hersteller-Code)
  • Hersteller, Modell, Baujahr
  • Standort im Lager
  • Maximale Traglast pro Ebene (sichtbar am Regal)
  • Datum der letzten Experteninspektion
  • Sachkundige Person (Name / Firma)
  • Ergebnis (Grün / Orange / Rot)
  • Nächster Prüftermin
  • Vollständige Schadenshistorie

Pro wöchentliche Sichtprüfung

  • Prüfdatum und Uhrzeit
  • Prüfer (Name, Funktion)
  • Festgestellte Mängel (mit Klassifizierung)
  • Eingeleitete Maßnahme (Sperrung / Reparatur beauftragt)
  • Unterschrift des Prüfers

Aufbewahrung (§ 14 Abs. 7 BetrSichV):

Prüfergebnis: mindestens bis zur nächsten Prüfung

Nach Reparaturen: zweckmäßig über die gesamte Lebensdauer des Regals (Empfehlung DGUV Information 208-043)

Elektronische Aufbewahrung ist zulässig

Was passiert bei versäumter Prüfung?

Das besondere Risiko bei Regalen: Sturzunfälle lösen oft Kettenreaktionen aus. Ein einzelner unentdeckter Schaden kann zu einem Domino-Effekt führen, der das gesamte Regalsystem betrifft.

Diese Darstellung ist eine allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Fachberatung.

Szenario 1: BG-Kontrolle ohne Inspektionsnachweis

  • Schriftliche Anordnung mit Nachbesserungsfrist
  • Teilstilllegung des Lagers bis zur Nachbesserung möglich
  • Bei Wiederholung: Bußgeld nach § 25 ArbSchG

Szenario 2: Regalsturz mit Sachschaden

  • Versicherungsleistung kann bei Grobfahrlässigkeit gekürzt werden
  • Umlagerungskosten, Betriebsunterbrechung — oft schwerer Schaden als der Regalschaden selbst
  • Bei Kettensturz schnell sechsstellige Schadenshöhe

Szenario 3: Regalsturz mit Personenschaden

  • BG prüft Kausalität: Hat der Prüfmangel zum Sturz beigetragen?
  • Ohne Aufzeichnungen fehlt der Nachweis, dass überhaupt geprüft wurde (§ 14 Abs. 7 BetrSichV)
  • Strafrechtliche Relevanz: § 229 StGB (Körperverletzung), § 222 StGB (Tötung)
  • Persönliche Haftung der Geschäftsführung / verantwortlichen Führungskraft

Die reale Gefahr — der Kettensturz

Sekunde 0

Ursprungsschaden

Eine nicht entdeckte Traverse bricht unter Last — ein Regalfeld kippt.

Ursache: unentdeckter Schaden aus Klasse Orange, der nicht rechtzeitig behoben wurde

Sekunde 1

Kettenreaktion beginnt

Das kippende Regal trifft das benachbarte Feld. Die Last verschiebt sich unkontrolliert.

Typisch: Ein kippender Regalabschnitt überträgt Kräfte auf benachbarte Felder und Rahmen

Sekunde 2–3

Domino-Effekt

Mehrere Regalreihen fallen. In mittleren Lagern sind 5–10+ Felder betroffen.

Schaden: Waren, Regalsystem, Betriebsunterbrechung — oft sechsstellig. Personenschaden möglich.

Ein unentdeckter Traversenschaden kann eine Kettenreaktion auslösen. Im Extremfall sind in wenigen Sekunden mehrere Regalreihen betroffen — mit Personen, Waren und Schäden in sechsstelliger Höhe.

So organisieren Sie Regalprüfungen effizient

1

Regal-Inventar erstellen

Einmalig alle Regale erfassen: Hersteller, Typ, Standort, Maximallast, Inventar-Nummer. Das ist die Grundlage für alles Weitere.

2

Sichtprüfer benennen und unterweisen

Eine oder mehrere Personen pro Lager benennen, schriftlich bestätigen und unterweisen. Ohne dokumentierte Unterweisung wird die Sichtprüfung im Audit nicht als ordnungsgemäß durchgeführt anerkannt (DGUV Vorschrift 1 § 4).

3

Wöchentliche Checkliste einführen

Standardisierte Checkliste, die jede Woche abgearbeitet und dokumentiert wird — digital oder auf Papier. Ohne Dokumentation zählt die Prüfung bei einer BG-Kontrolle nicht.

4

Jahresvertrag mit Sachkundigem schließen

Externe Fachfirma für die jährliche Inspektion beauftragen — oft günstiger als Einzelbeauftragungen. Termin fix im Jahresplan verankern.

5

Schadensmeldekette definieren

Wer meldet Schäden wem? Wer entscheidet über Sperrung? Wer beauftragt die Reparatur? Klare Zuständigkeiten verhindern, dass Orange-Schäden liegen bleiben.

Sicherio übernimmt alle fünf Schritte: Regal-Inventar, digitale Wochencheckliste, automatische Erinnerungen, Schadensmeldungen mit Klassifizierung, Export für BG-Kontrolle. Sichtprüfer-Unterweisungen dokumentieren ebenfalls integriert. Preise ansehen.

Regal-Typen und ihre Besonderheiten

Ob geprüft werden muss, hängt an der Beanspruchung, nicht am Regaltyp. Prüfschwerpunkte und Risikoprofil unterscheiden sich trotzdem deutlich.

Palettenregale

Häufigster Typ in KMU-Lagern. DIN EN 15635 direkt anwendbar.

Höchste Anforderungen an Anfahrschutz — Stapler-Schäden sind die Hauptgefahr.

Fachbodenregale

Für kleinere Artikel, oft manuell bestückt. Geringere Traglasten.

Rein manuell bestückt lässt sich die regelmäßige Prüfung meist über die Gefährdungsbeurteilung ausschließen. Sobald ein Stapler beteiligt ist, gelten dieselben Anforderungen wie bei Palettenregalen.

Kragarmregale

Für sperrige Güter (Stangen, Bleche, Rohre). Besondere Prüfung der Kragarme.

Kragarme sind bei Überladung besonders anfällig — genaue Lastverteilung dokumentieren.

Durchlaufregale (FIFO-Systeme)

Höhere mechanische Beanspruchung durch Rollbahn-System.

Rollbahnen und Neigungsverstellung zusätzlich prüfen — höhere Verschleißrate.

Einfahrregale / Drive-in

Stapler fährt ins Regal ein — besonders anfällig für Anfahrschäden von innen.

Oft kürzere Sichtprüf-Intervalle sinnvoll (täglich statt wöchentlich).

Weiterlesen: Prüffristen und Compliance im Lager und in der Produktion

Häufige Fragen zur Regal-Prüfung

Empfohlen

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Nächste Schritte

  • Regal-Inventar aufnehmen — wie viele Regale, welche Typen?
  • Sichtprüfer benennen und unterweisen
  • Wöchentliche Checkliste einführen und dokumentieren
  • Sachkundigen für Jahresinspektion beauftragen
Alle Funktionen und Preise

Nächster Schritt

Ansehen

So sieht das im Betrieb aus

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  • 6 Mitarbeiter mit Unterweisungen
  • Nachweispaket als PDF, wie es im Audit vorgelegt wird
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Mitnehmen

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Zum Mitnehmen durch den Betrieb: was vorhanden ist, wer prüft und welche Unterlagen dazu vorliegen. Ohne eine einzige Fristangabe, denn die legt der Arbeitgeber selbst fest.

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