Arbeitsschutz in Lager und Logistik — Stapler, Regale, Rücken

Lesezeit: 15 MinutenZuletzt aktualisiert: April 2026

In keiner anderen Branche treffen so viele Risiken aufeinander wie in Logistik und Lager: 3-Tonnen-Stapler fahren neben Fußgängern, tonnenschwere Regale können umkippen, Mitarbeiter heben täglich hunderte Pakete. Die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) meldet jährlich tausende Arbeitsunfälle — die häufigsten: Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle, Unfälle mit Flurförderzeugen und Muskel-Skelett-Verletzungen durch falsches Heben.

Dazu kommt: Das Regal das "schon immer so stand" ist vielleicht seit 3 Jahren nicht inspiziert worden — ein Verstoß gegen DIN EN 15635 der im schlimmsten Fall zum Regaleinsturz führt. Dieser Leitfaden zeigt was Ihr Lager braucht.

Die BGHW — Ihre Berufsgenossenschaft für Lager und Logistik

  • Die BGHW (Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik) ist zuständig für Lagerhaltung, Spedition, Paketdienste, Großhandel, Einzelhandel mit Lager
  • Auch die BG Verkehr ist für Teile der Logistik zuständig (Speditionen, Transportunternehmen)
  • Fokus bei Kontrollen: Staplerverkehr und Fußgängersicherheit, Regalzustand, Ladungssicherung, manuelle Lastenhandhabung

Die BGHW kennt die Schwerpunkte: 40% der schweren Unfälle in Lagern passieren im Zusammenhang mit Flurförderzeugen oder Regalen.

Die 5 größten Gefahren im Lager

1. Stapler vs. Fußgänger — die tödliche Kombination

  • Gabelstapler wiegen 3–5 Tonnen und haben eingeschränkte Sicht nach hinten und zur Seite
  • Anfahrunfälle: Stapler übersieht Fußgänger an Kreuzung, Regalgang, Verladetor
  • Quetschung: Person zwischen Stapler und Regal/Wand eingeklemmt
  • Überfahren: Rückwärtsfahrender Stapler übersieht Person

Schutzmaßnahmen:

  • Getrennte Verkehrswege für Stapler und Fußgänger (Markierung, Absperrung)
  • Spiegel und Durchsichtfenster an unübersichtlichen Kreuzungen
  • Geschwindigkeitsbegrenzung (typisch: 10 km/h im Lager, Schrittgeschwindigkeit in Kreuzungsbereichen)
  • Rückfahrkameras und akustische Warnsignale
  • Warnwesten für alle Fußgänger im Lagerbereich
  • Fahrerlaubnis: Nur ausgebildete und schriftlich beauftragte Staplerfahrer (DGUV Vorschrift 68 §7)

2. Regaleinsturz — die unterschätzte Katastrophe

Ein umstürzendes Schwerlastregal kann hunderte Kilo bis mehrere Tonnen freisetzen. Häufigste Ursache: Anfahrschaden durch Stapler, gefolgt von Überlastung, fehlerhafter Montage und fehlender Bodenverankerung.

Regalinspektion nach DIN EN 15635:

  • Wöchentliche Sichtprüfung durch geschultes Personal (Regalbeauftragter)
  • Jährliche Experteninspektion durch qualifizierten Regalprüfer
  • Schadenskategorien: Grün (OK), Gelb (beobachten), Orange (sofort entlasten + reparieren), Rot (sofort sperren)
  • Anfahrschäden an Stehern: Ab 5 mm Verformung = Handlungsbedarf

Ein einzelner Anfahrschaden an einem Stützenprofil kann die Tragfähigkeit des gesamten Regals um 50% reduzieren.

3. Manuelle Lastenhandhabung — der Rücken-Killer

Kommissionierer heben täglich 200–500 Einzelstücke — oft unter Zeitdruck. Muskel-Skelett-Erkrankungen sind die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit in der Logistik.

  • LasthandhabV: GBU für manuelle Lastenhandhabung ist Pflicht
  • Leitmerkmalmethode (LMM): Standardverfahren zur Bewertung der Belastung
  • Richtwerte: 25 kg für Männer, 15 kg für Frauen (keine absoluten Grenzen)

Schutzmaßnahmen:

  • Technische Hilfsmittel: Hubtische, Vakuumheber, Scherenhubtische
  • Organisatorisch: Job-Rotation, Pausen, Belastungswechsel
  • Ergonomische Lagerplatzgestaltung: Schwere Artikel auf Griffhöhe (60–100 cm)
  • Unterweisung: Richtiges Heben und Tragen

4. Ladungssicherung — auf dem Weg zum Kunden

Ungesicherte Ladung auf LKW: Gefahr für Fahrer, andere Verkehrsteilnehmer und Entladepersonal.

  • DGUV Regel 100-001 + VDI 2700: Anforderungen an Ladungssicherung
  • Verantwortlich: Fahrer, Verlader und Halter — alle drei!
  • Häufige Fehler: Zu wenige Gurte, falsche Zurrmittel, Ladung nicht formschlüssig verladen

5. Tore, Rampen und Verladebereich

  • Quetschgefahr an Schnelllauftoren, Rolltoren, Sektionaltoren
  • Absturz von der Rampe (Höhenunterschied 1–1,5 m)
  • Verladebetrieb: LKW fährt weg während noch beladen wird

Schutzmaßnahmen: Torprüfung (12 Mo), Radvorleger, Kommunikation Fahrer/Verlader

Sicherio bietet GBU-Vorlagen für Lager, Kommissionierung und Verladebereich. Prüffristen für Stapler, Regale, Tore und Brandschutz vorinstalliert.

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Prüffristen in Logistik und Lager — Die vollständige Übersicht

Flurförderzeuge

Gabelstapler (Diesel/Gas/Elektro)

Intervall:12 MonateArt:UVV-PrüfungWer prüft:SachkundigerKosten:€100–200

DGUV Vorschrift 68

Elektro-Hubwagen / Ameise

Intervall:12 MonateArt:UVV-PrüfungWer prüft:SachkundigerKosten:€60–100

DGUV Vorschrift 68

Hochregalstapler / Schubmaststapler

Intervall:12 MonateArt:UVV-PrüfungWer prüft:SachkundigerKosten:€150–250

DGUV Vorschrift 68

Mitgänger-Flurförderzeuge

Intervall:12 MonateArt:UVV-PrüfungWer prüft:SachkundigerKosten:€50–80

DGUV Vorschrift 68

Regale

Palettenregale / Schwerlastregale

Intervall:12 Mo Experten + wöchentl. SichtArt:RegalinspektionWer prüft:Regalprüfer (DIN EN 15635)Kosten:€10–20/Regal

DIN EN 15635

Fachbodenregale

Intervall:12 MonateArt:SichtprüfungWer prüft:SachkundigerKosten:€5–10/Regal

DIN EN 15635

Kragarmregale

Intervall:12 MonateArt:InspektionWer prüft:RegalprüferKosten:€10–20/Regal

DIN EN 15635

Durchlaufregale

Intervall:12 MonateArt:Inspektion + FunktionsprüfungWer prüft:RegalprüferKosten:€15–25/Regal

DIN EN 15635

Tore und Verladeeinrichtungen

Schnelllauftore / Rolltore

Intervall:12 MonateArt:Wartung + PrüfungWer prüft:FachfirmaKosten:€100–200/Tor

BetrSichV

Verladebrücken / Überladebrücken

Intervall:12 MonateArt:PrüfungWer prüft:SachkundigerKosten:€50–100

BetrSichV

Hebebühnen / Scherenhubtische

Intervall:12 MonateArt:UVV-PrüfungWer prüft:SachkundigerKosten:€100–200

DGUV Vorschrift 54

Elektro und Brandschutz

Ortsveränderliche E-Geräte

Intervall:12–24 MonateArt:DGUV V3Wer prüft:ElektrofachkraftKosten:€5–15/Gerät

DGUV Vorschrift 3

Ortsfeste elektrische Anlage

Intervall:48 MonateArt:PrüfungWer prüft:ElektrofachkraftKosten:€300–800

DGUV Vorschrift 3

Feuerlöscher

Intervall:24 MonateArt:InstandhaltungWer prüft:FachbetriebKosten:€20–40

DIN 14406

Sprinkleranlage

Intervall:12 MonateArt:WartungWer prüft:FachfirmaKosten:€300–1.000

VdS / DIN EN 12845

Brandmeldeanlage

Intervall:12 MonateArt:WartungWer prüft:FachfirmaKosten:€200–500

DIN 14675

Notbeleuchtung / Fluchtwegebeleuchtung

Intervall:12 MonateArt:FunktionsprüfungWer prüft:ElektrofachkraftKosten:im Rahmen E-Prüfung

ASR A2.3

Fahrzeuge

LKW / Transporter

Intervall:12 MonateArt:UVV-PrüfungWer prüft:SachkundigerKosten:€100–200

DGUV Vorschrift 70

Anhänger

Intervall:12 MonateArt:UVV-PrüfungWer prüft:SachkundigerKosten:€60–100

DGUV Vorschrift 70

Ladungssicherungsmittel (Gurte, Netze)

Intervall:Sichtprüfung + jährlichArt:PrüfungWer prüft:SachkundigerKosten:€5–10/Gurt

VDI 2700

Praxistipp

Ein Lager mit 500 Palettenstellplätzen hat typischerweise 200–300 Regale die inspiziert werden müssen. Dazu kommen 5–15 Stapler, 10–30 Tore und Verladeeinrichtungen, hunderte Elektrogeräte und die Brandschutzanlage. Das sind locker 400+ Prüftermine pro Jahr.

Alle Prüffristen im Detail

Gefährdungsbeurteilung für Lager und Logistik

Ein Logistikbetrieb braucht GBUs für mindestens diese Arbeitsbereiche:

Wareneingang / Verladezone
Lager / Hochregallager
Kommissionierung
Warenausgang / Versand
Außenbereich / Hofverkehr
Büro

Typische Gefährdungen

Mechanisch

Anfahrunfälle (Stapler), herabfallende Ladung, Regaleinsturz, Quetschung an Toren/Rampen

Physisch

Heben und Tragen (Kommissionierung), Zwangshaltungen, repetitive Bewegungen

Verkehrswege

Kreuzungen Stapler/Fußgänger, Rampen, unebene Böden, Nässe

Psychisch

Zeitdruck (Peak-Zeiten, Same-Day-Delivery), Monotonie, Schichtarbeit, Leistungskontrolle

Klima

Kühllagerbereiche (Tiefkühllager −18 °C bis −25 °C), Zugluft an Verladerampen

Lärm

Stapler, Fördertechnik, Verpackungsmaschinen

GBU erstellen mit Branchenvorlage Lager

Pflichtunterweisungen in Logistik und Lager

Staplerfahren (jährliche Unterweisung)

Intervall:jährlichFür wen:alle Staplerfahrer

DGUV Vorschrift 68 §7

Ladungssicherung

Intervall:jährlichFür wen:Verlader, Fahrer

DGUV Regel 100-001, VDI 2700

Richtiges Heben und Tragen / Ergonomie

Intervall:jährlichFür wen:Kommissionierung

LasthandhabV

Verkehrswege und Fußgängersicherheit

Intervall:jährlichFür wen:alle

DGUV Vorschrift 1

Regalbeauftragter-Schulung

Intervall:einmalig + AuffrischungFür wen:Regalbeauftragter

DIN EN 15635

Allgemeine Sicherheitsunterweisung

Intervall:jährlichFür wen:alle

ArbSchG §12

Brandschutz und Evakuierung

Intervall:jährlichFür wen:alle

ArbSchG §10

Erste Hilfe

Intervall:jährlichFür wen:alle

DGUV Vorschrift 1

PSA (Sicherheitsschuhe, Warnweste, Gehörschutz)

Intervall:jährlichFür wen:alle

PSA-BV

Gefahrstoffe (Batterieladestationen, Reinigungsmittel)

Intervall:jährlichFür wen:betroffene MA

GefStoffV §14

Praxistipp

Die Staplerunterweisung ist die wichtigste Unterweisung im Lager. Der Staplerschein (Ausbildung nach DGUV Grundsatz 308-001) ist die einmalige Qualifikation — die jährliche Unterweisung ist die betriebsspezifische Auffrischung: Verkehrswege in IHREM Lager, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Ladungsaufnahme, Verhalten bei Personenverkehr.

Unterweisungen digital dokumentieren

Der Regalbeauftragte — eine Pflicht die viele nicht kennen

  • DIN EN 15635 verlangt: Jeder Betreiber von Regalen muss einen Regalbeauftragten benennen
  • Der Regalbeauftragte führt die wöchentlichen Sichtprüfungen durch
  • Er muss geschult sein — Schulung durch Regalhersteller oder Prüfdienstleister
  • Er dokumentiert Schäden und veranlasst Reparaturen

Fragen Sie sich: Wer ist in Ihrem Lager der Regalbeauftragte? Wenn Sie jetzt niemanden nennen können, haben Sie ein Problem.

Checkliste: Ist Ihr Lager bereit für die BGHW?

  1. 1GBU für alle Lagerbereiche vorhanden und aktuell
  2. 2Staplerprüfung (UVV) für alle Flurförderzeuge aktuell
  3. 3Fahrerlaubnis und jährliche Unterweisung für alle Staplerfahrer dokumentiert
  4. 4Regalbeauftragter benannt und geschult
  5. 5Jährliche Regalinspektion durch Experten durchgeführt und dokumentiert
  6. 6Wöchentliche Regal-Sichtprüfungen dokumentiert
  7. 7Getrennte Verkehrswege für Stapler und Fußgänger markiert
  8. 8Geschwindigkeitsbegrenzung für Stapler festgelegt und beschildert
  9. 9Torprüfungen aktuell
  10. 10DGUV V3 Prüfung E-Geräte aktuell
  11. 11Brandschutzanlage (Sprinkler, BMA, Feuerlöscher) geprüft
  12. 12Ladungssicherungsmittel geprüft
  13. 13Unterweisungsnachweise für alle Mitarbeiter vorhanden
  14. 14Verbandbuch DSGVO-konform geführt
  15. 15Ersthelfer benannt

Arbeitsschutz für Logistik digital verwalten — mit Sicherio

  • Alle Stapler, Regale, Tore, E-Geräte mit Prüffristen im Blick — automatische Erinnerung
  • GBU-Vorlagen für Lager, Kommissionierung, Verladebereich
  • Staplerunterweisung + Ladungssicherung + Heben/Tragen als Pflichtthemen vorinstalliert
  • Digitales Verbandbuch mit QR-Code — am Lagereingang und an jeder Verladerampe
  • Regalinspektions-Protokolle digital dokumentieren

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Häufige Fragen zum Arbeitsschutz in Logistik und Lager

Mindestens einmal jährlich UVV-Prüfung durch einen Sachkundigen (DGUV Vorschrift 68). Zusätzlich: Tägliche Sichtprüfung durch den Fahrer vor Arbeitsbeginn (Gabel, Reifen, Bremse, Beleuchtung, Hydraulik).

Ja. Der Staplerschein (Ausbildung) ist einmalig — aber die betriebsspezifische Unterweisung muss jährlich wiederholt werden. Inhalt: Verkehrswege im eigenen Lager, Geschwindigkeitsregeln, Ladungsaufnahme, Personensicherheit.

Die wöchentliche Sichtprüfung macht der geschulte Regalbeauftragte (eigener Mitarbeiter). Die jährliche Experteninspektion muss durch einen qualifizierten Regalprüfer erfolgen — das kann ein Mitarbeiter des Regalherstellers oder ein externer Sachverständiger sein.

Sofort bewerten nach dem Ampelsystem der DIN EN 15635: Grün (OK), Gelb (beobachten), Orange (sofort entlasten und reparieren), Rot (sofort sperren und entlasten). Bei Orange und Rot: Regal sperren, Bereich absichern, Reparatur veranlassen. Niemals „erstmal weitermachen".

Ja, die Lastenhandhabungsverordnung verlangt eine spezifische Beurteilung. Nutzen Sie die Leitmerkmalmethode (LMM) der BAuA — sie ist das Standardverfahren und von den BGen anerkannt. Wenn die Bewertung hohes Risiko ergibt, müssen technische Hilfsmittel bereitgestellt werden.

Ja. Arbeit im Kühllager (unter 2 °C) und Tiefkühllager (unter −18 °C) erfordert: Spezielle PSA (Thermobekleidung, Handschuhe), begrenzte Aufenthaltsdauer, Aufwärmpausen, Notrufmöglichkeit und eine separate GBU die Kälteeinwirkung als Gefährdung berücksichtigt.

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