Arbeitsschutz im Metallbau — Der komplette Leitfaden für Ihren Betrieb
123.707 meldepflichtige Arbeitsunfälle in den Branchen Holz und Metall allein im Jahr 2023. Über 61.000 Betriebsbesuche durch BGHM-Aufsichtspersonen in über 51.000 Betrieben — das heißt: Jeder fünfte Metallbau-Betrieb bekommt jedes Jahr Besuch von der Berufsgenossenschaft. Wenn die Aufsichtsperson vor Ihrer Tür steht, haben Sie 10 Minuten um Ihre Gefährdungsbeurteilungen, Prüfprotokolle und Unterweisungsnachweise vorzulegen. Haben Sie alles griffbereit?
Dieser Leitfaden zeigt Ihnen genau was die BGHM von Ihrem Metallbau-Betrieb erwartet — und wie Sie es in den Griff bekommen.
Die BGHM — Ihre Berufsgenossenschaft im Metallbau
Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) ist der Unfallversicherungsträger für Metallbau, Schlosserei, Maschinenbau, Stahlbau und verwandte Branchen. Mit über 250.000 Mitgliedsunternehmen und über 5 Millionen Versicherten ist sie einer der größten Träger der gesetzlichen Unfallversicherung in Deutschland.
Ihre Aufgaben: Prävention, Kontrolle und Rehabilitation nach Arbeitsunfällen. Die BGHM prüft bei Betriebsbesuchen:
- Gefährdungsbeurteilungen
- Prüfprotokolle für Betriebsmittel
- Unterweisungsnachweise
- Verbandbuch
- Betriebsanweisungen
Die BGHM ist nicht Ihr Feind — sie ist Ihr Partner. Aber sie erwartet, dass Sie Ihre Pflichten ernst nehmen. Ein gut dokumentierter Arbeitsschutz schützt nicht nur Ihre Mitarbeiter, sondern auch Sie persönlich als Geschäftsführer.
Die 5 Säulen des Arbeitsschutzes im Metallbau
- Gefährdungsbeurteilung — ArbSchG §5
- Prüffristen für Betriebsmittel — BetrSichV
- Unterweisungen — ArbSchG §12
- Verbandbuch — DGUV Vorschrift 1
- Betriebsanweisungen — BetrSichV, GefStoffV
Sicherio deckt die ersten vier Säulen komplett ab. Für Betriebsanweisungen verweisen wir auf die kostenlosen Vorlagen der BGHM.
Prüffristen im Metallbau — Was muss wann geprüft werden?
Ein typischer Metallbau-Betrieb mit 20 Mitarbeitern hat leicht 80–120 prüfpflichtige Betriebsmittel. Ohne System verliert man den Überblick.
Hebezeuge und Krane
Brückenkran / Portalkran
DGUV Vorschrift 52, BetrSichV §14
Schwenkkran / Säulenkran
DGUV Vorschrift 52
Kettenzug / Seilzug
DGUV Vorschrift 54
Anschlagmittel (Ketten)
DGUV Regel 100-500
Anschlagmittel (Seile, Gurte)
DGUV Regel 100-500
Lastaufnahmemittel (Traversen)
DGUV Regel 100-500
Maschinen
Hydraulische Presse / Abkantpresse
BetrSichV §14
Drehmaschine
BetrSichV §14
Fräsmaschine / CNC-Fräse
BetrSichV §14
Bohrmaschine (Ständer)
BetrSichV §14
Bandsäge / Metallkreissäge
BetrSichV §14
Schleifbock / Doppelschleifer
BetrSichV §14
Schweißgeräte (MIG/MAG/WIG)
DGUV Vorschrift 3
Flurförderzeuge
Gabelstapler
DGUV Vorschrift 68
Hubwagen (elektrisch)
DGUV Vorschrift 68
Elektro
Ortsveränderl. E-Geräte (Flex, Bohrmaschine)
DGUV Vorschrift 3
Ortsfeste elektrische Anlage
DGUV Vorschrift 3
Not-Aus-Einrichtungen
BetrSichV
Druckgeräte
Druckbehälter / Kompressor
BetrSichV Anhang 2
Druckluftleitungen
BetrSichV
Brandschutz
Feuerlöscher
DIN 14406, BetrSichV
Brandmeldeanlage
DIN 14675
Brandschutztüren / -tore
BetrSichV
Flucht-/Rettungswegbeleuchtung
ASR A2.3
PSA und Sonstiges
PSA gegen Absturz (Auffanggurte)
DGUV Regel 112-198
Atemschutzgeräte
DGUV Regel 112-190
Schweißerschutzausrüstung
DIN EN 166
Leitern und Tritte
DGUV Information 208-016
Regale (Schwerlast)
DIN EN 15635
Prüfmittel
Manometer
BetrSichV
Drehmomentschlüssel
DIN EN ISO 6789
Messschieber
DIN EN ISO 17025
Endmaße
DIN EN ISO 17025
Diese Tabelle enthält die gängigsten Prüffristen für Metallbau-Betriebe nach den aktuellen DGUV-Vorschriften und der Betriebssicherheitsverordnung. Die tatsächlichen Fristen legt der Arbeitgeber auf Basis seiner Gefährdungsbeurteilung fest (BetrSichV §3). Herstellerangaben können kürzere Intervalle vorsehen.
Praxistipp
Ein 20-Mann-Metallbau-Betrieb hat typischerweise 80–120 Prüfobjekte. Bei jährlichen Prüfintervallen sind das 80–120 Termine die koordiniert werden müssen — mit verschiedenen Prüfdienstleistern (TÜV für den Kran, Elektrofachkraft für DGUV V3, eigene Sachkundige für Leitern und Regale). Ohne digitales System ist das kaum zu schaffen.
Gefährdungsbeurteilung im Metallbau — Die typischen Gefährdungen
Die Gefährdungsbeurteilung ist das zentrale Dokument Ihres Arbeitsschutzes. Wenn die BGHM Ihren Betrieb besucht, fragt die Aufsichtsperson als Erstes nach der GBU. Für einen Metallbau-Betrieb brauchen Sie typischerweise GBUs für: Werkstatt/Fertigung, Schweißarbeitsplatz, Lager, Büro und ggf. Baustelle/Montage.
Mechanische Gefährdungen
Die häufigste Unfallursache im Metallbau.
- Quetschgefahr an Pressen und Abkantpressen (beim Werkstückwechsel, beim Einrichten)
- Schnitt- und Stichverletzungen an scharfkantigen Blechen, Graten, Spänen
- Einzugsgefahr an Drehmaschinen (offene Spannfutter, rotierende Werkstücke)
- Erfasst werden durch rotierende Teile (Bohrspindel, Fräser)
- Herausgeschleuderte Werkstückteile (Drehmaschine, Schleifbock)
- Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle (Öl auf dem Boden, Späne, unebene Flächen)
- Herabfallende Lasten (Kran, Stapler, Regalware)
- Anstoßen an Werkstücke und Maschinen in beengten Werkstätten
Gefahrstoffe
Oft unterschätzt im Metallbau.
- Schweißrauch: Enthält Mangan, Chrom-VI, Nickel — krebserzeugend bei Edelstahl und verzinktem Stahl. Grenzwert: A-Fraktion 1,25 mg/m³. Technische Absaugung nach TRGS 528 Pflicht.
- Kühlschmierstoffe (KSS): Hautgefährdung, Atemwegsreizung. Hautschutzplan nach TRGS 401 Pflicht.
- Entfettungsmittel (Aceton, Isopropanol): Leicht entzündlich, narkotisierende Wirkung bei Einatmen
- Lacke und Grundierungen: Lösemittel, Isocyanate bei PU-Lacken
- Zinkrauch beim Schweißen verzinkter Teile: "Zinkfieber" — grippeähnliche Symptome
Lärm
- Kreissäge, Flex, Schleifbock, Presslufthammer: Regelmäßig über 85 dB(A)
- Ab 80 dB(A): Gehörschutz bereitstellen (unterer Auslösewert)
- Ab 85 dB(A): Gehörschutz tragen Pflicht, Lärmbereiche kennzeichnen (oberer Auslösewert)
- Lärmschwerhörigkeit ist die häufigste Berufskrankheit in der Metallbranche
- LärmVibrationsArbSchV: Gefährdungsbeurteilung für Lärm Pflicht
Thermische Gefährdungen
- Verbrennungen an heißen Werkstücken, Schweißnähten, Schneidschlacke
- Funkenflug beim Schweißen und Schleifen
- Heiße Oberflächen an Maschinen (Hydraulikpressen, Schmiedeteile)
Elektrische Gefährdungen
- Defekte Kabel an Handmaschinen (Winkelschleifer, Bohrmaschine)
- Fehlende FI-Schutzschalter in älteren Werkstätten
- Schweißstromquellen: Gefahr durch Leerlaufspannung
- Provisorische Elektroinstallationen auf Baustellen/Montage
Brand- und Explosionsgefährdungen
- Funkenflug beim Schweißen, Schleifen, Brennschneiden
- Entzündliche Stoffe in der Nähe (Öl, Lösemittel, Verpackungsmaterial)
- Heißarbeiten außerhalb der Werkstatt: Erlaubnisschein für Schweißarbeiten (Schweißerlaubnis)
- Metallstaub: Bei bestimmten Metallen (Aluminium, Magnesium) explosionsfähig
Physische Belastungen
- Schweres Heben: Bleche, Profile, Werkstücke — oft >25 kg
- Zwangshaltungen: Überkopfarbeit beim Schweißen, Knien, Bücken
- Hand-Arm-Vibration: Winkelschleifer, Meißelhammer, Nietpistole — HAVS-Risiko
- Ganzkörpervibration: Gabelstapler auf unebenem Boden
Psychische Belastungen
- Zeitdruck bei Auftragsarbeit (Kunde wartet auf die Konstruktion)
- Lärm als psychische Belastung (permanenter Hintergrundlärm)
- Monotonie bei Serienproduktion
- Schichtarbeit in größeren Betrieben
- Seit 2013 ausdrücklich in der GBU zu berücksichtigen (ArbSchG §5 Abs. 3 Nr. 6)
Sicherio führt Sie durch die komplette GBU für Ihren Metallbau-Betrieb — mit branchenspezifischen Vorlagen für Werkstatt, Schweißarbeitsplatz und Montage.
14 Tage kostenlos testenPflichtunterweisungen im Metallbau
Jeder Mitarbeiter muss mindestens einmal jährlich zu jedem für ihn relevanten Thema unterwiesen werden. In einem typischen Metallbau-Betrieb sind das 8–12 Themen.
Allgemeine Sicherheitsunterweisung
ArbSchG §12
Brandschutz und Evakuierung
ArbSchG §10, ASR A2.2
Erste Hilfe im Betrieb
DGUV Vorschrift 1 §26
Maschinensicherheit
BetrSichV
Schweißen und thermisches Schneiden
DGUV Regel 100-500
Umgang mit Gefahrstoffen
GefStoffV §14
Lärm und Gehörschutz
LärmVibrationsArbSchV
Kranführung
DGUV Vorschrift 52
Anschlagen von Lasten
DGUV Regel 100-500
Staplerfahren
DGUV Vorschrift 68
PSA-Benutzung
PSA-BV §3
Arbeiten in der Höhe
DGUV Regel 112-198
Ergonomie / Richtiges Heben
LasthandhabV
Bei 20 Mitarbeitern und 10 Pflichtthemen sind das 200 dokumentierte Unterweisungen pro Jahr. Ohne System ist das nicht zu schaffen.
Praxistipp
Kombinieren Sie Themen sinnvoll: Allgemeine Sicherheit + Brandschutz + Erste Hilfe können in einer 45-Minuten-Session abgehandelt werden. Maschinensicherheit + PSA in einer zweiten. Gefahrstoffe + Lärm in einer dritten. So brauchen Sie nur 4–5 Termine pro Jahr statt 10.
Verbandbuch und Unfallmeldung im Metallbau
Metallbau ist eine Hochrisiko-Branche: Schnittwunden, Verbrennungen, Augenfremdkörper, Quetschungen sind Alltag. Jede noch so kleine Verletzung muss dokumentiert werden — Pflaster aufkleben zählt.
Das Papier-Verbandbuch im Verbandskasten verstößt gegen die DSGVO (Gesundheitsdaten offen einsehbar). Die bessere Lösung: QR-Code am Verbandskasten — Mitarbeiter scannt und erfasst den Vorfall in 30 Sekunden.
Auch Beinaheunfälle sollten erfasst werden: "Die Schleifscheibe ist geplatzt, aber niemand wurde getroffen" — das muss dokumentiert und ausgewertet werden, um echte Unfälle zu verhindern.
Checkliste: Ist Ihr Metallbau-Betrieb bereit für die BGHM?
- 1Gefährdungsbeurteilungen für alle Arbeitsbereiche vorhanden und aktuell (max. 12 Monate alt)
- 2Alle Prüfprotokolle vorhanden und aktuell (Kran, Maschinen, E-Geräte, Feuerlöscher, etc.)
- 3Unterweisungsnachweise für alle Mitarbeiter zu allen Pflichtthemen vorhanden
- 4Verbandbuch / Erste-Hilfe-Dokumentation DSGVO-konform geführt
- 5Betriebsanweisungen an den Maschinen ausgehängt
- 6Gefahrstoffverzeichnis vorhanden (falls Gefahrstoffe im Einsatz)
- 7Ersthelfer benannt und ausgebildet (ab 2 Beschäftigten)
- 8Sicherheitsbeauftragter bestellt (ab 20 Beschäftigten)
- 9Fachkraft für Arbeitssicherheit (SiFa) beauftragt
- 10Betriebsarzt beauftragt
- 11Schweißerlaubnis-System für Heißarbeiten außerhalb der Werkstatt
- 12PSA in ausreichender Menge vorhanden und in ordnungsgemäßem Zustand
Wenn Sie bei mehr als 3 Punkten unsicher sind, sollten Sie handeln — bevor die BGHM es bemerkt.
Arbeitsschutz im Metallbau digital verwalten — mit Sicherio
Sicherio wurde für genau diese Betriebe gebaut: Metallbau, Schlosserei, Maschinenbau, Stahlbau. Die Software kennt Ihre Branche — von der Kranprüfung bis zur Schweißrauch-GBU.
- 30+ Betriebsmitteltypen für Metallbau vorinstalliert — Kran, Presse, Drehbank, Schweißgerät, alles da
- GBU-Vorlagen für Metallbau-Werkstatt, Schweißarbeitsplatz, Lager, Montage
- 12 Pflichtunterweisungen für Metallbau vorausgewählt
- Digitales Verbandbuch mit QR-Code — DSGVO-konform
- Automatische Erinnerung 30 Tage vor jeder Prüffrist
- PDF-Prüfprotokolle und GBU-Dokumente für die BGHM-Kontrolle
120 Prüftermine, 10 Unterweisungsthemen, 20 Mitarbeiter — alles in einer Software.
14 Tage kostenlos testenHäufige Fragen zum Arbeitsschutz im Metallbau
Die BGHM führt jährlich über 61.000 Betriebsbesuche in über 51.000 Betrieben durch. Statistisch wird jeder fünfte Metallbau-Betrieb einmal im Jahr besucht — oft unangekündigt. Bei Auffälligkeiten oder nach Unfällen häufiger.
Die Aufsichtsperson gibt zunächst Hinweise und setzt Fristen zur Beseitigung. Bei schwerwiegenden Mängeln kann sie Auflagen erteilen, Bußgelder verhängen oder den Betrieb teilweise stilllegen. Bei Gefahr für Leib und Leben wird sofort gehandelt.
Ja. Jeder Betrieb ab einem Mitarbeiter muss sicherheitstechnisch betreut werden. Bei bis zu 50 Beschäftigten können Sie das Unternehmermodell wählen (Selbstbetreuung nach BGHM-Seminar) oder eine externe SiFa beauftragen.
Typische Kosten für einen 20-Mann-Betrieb: SiFa/Betriebsarzt ca. 2.000–5.000 €/Jahr, Prüfungen (Kran, DGUV V3, etc.) ca. 3.000–6.000 €/Jahr, PSA ca. 200–500 €/Mitarbeiter/Jahr, Software (z. B. Sicherio) 588 €/Jahr. Der ROI: Ein einziger vermiedener Arbeitsunfall spart durchschnittlich 30.000 € an direkten und indirekten Kosten.
Ja, seit 2013 ist die psychische Gefährdungsbeurteilung ausdrücklich Pflicht (ArbSchG §5 Abs. 3 Nr. 6). Das gilt auch für Metallbau-Betriebe. Typische Belastungen: Lärm, Zeitdruck, körperliche Erschöpfung, Schichtarbeit.
Die häufigsten: Lärmschwerhörigkeit (BK 2301), Hauterkrankungen durch Kühlschmierstoffe (BK 5101), Atemwegserkrankungen durch Schweißrauch, Hand-Arm-Vibrationssyndrom (BK 2104) durch Handmaschinen. Eine konsequente GBU und wirksame Schutzmaßnahmen können diese Risiken deutlich reduzieren.