Staplerprüfung — Alles zur UVV-Prüfung Ihres Gabelstaplers
3–5 Tonnen Stahl, 20 km/h, eingeschränkte Sicht — ein Gabelstapler ist eines der gefährlichsten Arbeitsmittel im Betrieb. Die DGUV Vorschrift 68 verlangt eine jährliche UVV-Prüfung durch einen Sachkundigen. Zusätzlich muss jeder Staplerfahrer jährlich unterwiesen und die tägliche Sichtprüfung vor Arbeitsbeginn durchgeführt werden.
Dieser Leitfaden erklärt alle Pflichten rund um den Stapler: Prüffristen, Prüfumfang, Kosten, Staplerschein vs. Unterweisung — und was passiert wenn Sie die Prüfung versäumen.
Die drei Prüf-Ebenen beim Gabelstapler
Tägliche Sichtprüfung durch den Fahrer
Vor jedem Arbeitsbeginn · 2–3 Minuten
- Gabel, Reifen, Bremse, Lenkung, Beleuchtung, Hydraulik, Hupe prüfen
- Mängel sofort dem Vorgesetzten melden
- Gerät bei sicherheitsrelevanten Mängeln NICHT benutzen
- Keine Dokumentationspflicht, aber empfohlen (Checkliste)
Jährliche UVV-Prüfung durch Sachkundigen
DGUV Vorschrift 68 §37 i.V.m. BetrSichV §14
- Intervall: Mindestens einmal jährlich
- Umfang: Vollständige Prüfung aller sicherheitsrelevanten Bauteile
- Durchführung durch befähigte Person (Sachkundiger nach TRBS 1203)
- Ergebnis muss dokumentiert werden (Prüfprotokoll)
- Bei Mängeln: Sofort außer Betrieb nehmen bis Reparatur + Nachprüfung
Jährliche Unterweisung der Staplerfahrer
DGUV Vorschrift 68 §7 + DGUV Vorschrift 1 §4
- Jeder Fahrer muss einmal jährlich betriebsspezifisch unterwiesen werden
- Inhalte: Verkehrswege, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Ladungsaufnahme, Personensicherheit, Batterieladung
- Der Staplerschein (Ausbildung) ist EINMALIG — die Unterweisung ist JÄHRLICH
UVV-Prüfung Gabelstapler — Was wird geprüft?
Die vollständige UVV-Prüfung umfasst alle sicherheitsrelevanten Bauteile. Hier die detaillierte Prüfpunkt-Übersicht:
Fahrwerk und Rahmen
- Rahmenzustand, Risse, Verformungen
- Reifen: Profil, Beschädigungen, Luftdruck (bei Luftbereifung)
- Radmuttern: Fest?
- Achsen und Lagerungen
Hubgerüst und Gabel
- Gabelzinken: Risse, Verformung, Verschleiß (max. 10 % der Ausgangsdicke)
- Hubketten: Verschleiß, Längung (max. 3 %), Schmierung
- Hubgerüst: Risse, Verformung, Führungsrollen
- Gabelträger: Arretierung, Verstellung
Bremsen
- Betriebsbremse: Wirkung, Gleichmäßigkeit
- Feststellbremse: Hält am Hang?
- Not-Aus / Totmannschaltung (bei Mitgänger-FFZ)
Lenkung
- Lenkungsspiel
- Hydraulische Lenkung: Dichtheit
Hydraulik
- Hubzylinder: Dichtheit, Absinkverhalten
- Neigezylinder: Funktion
- Schläuche und Leitungen: Alter, Zustand, Dichtheit
- Hydrauliköl: Stand, Zustand
Elektrik / Motor
- Beleuchtung: Scheinwerfer, Rückfahrlicht, Rundumleuchte
- Hupe / Warneinrichtung
- Batterie: Zustand, Befestigung, Säurestand
- Ladegerät: Funktion
- Bei Verbrenner: Abgasanlage, Kraftstoffleitung
Sicherheitseinrichtungen
- Fahrerschutzdach: Zustand, Befestigung
- Lastschutzgitter: Vorhanden und intakt
- Spiegel (falls vorhanden)
- Sicherheitsgurt (falls vorhanden)
- Rückfahrkamera (falls vorhanden)
- Typenschild: Lesbar, Tragfähigkeitsdiagramm vorhanden
Wer darf die Staplerprüfung durchführen?
Die UVV-Prüfung muss durch eine befähigte Person (Sachkundiger) nach TRBS 1203 durchgeführt werden. Drei Voraussetzungen müssen erfüllt sein:
- 1Fachliche Ausbildung im Bereich Flurförderzeuge (z. B. Kfz-Mechaniker, Mechatroniker, Techniker)
- 2Berufserfahrung im Bereich der zu prüfenden Geräte
- 3Zeitnahe berufliche Tätigkeit — regelmäßige Prüf- oder Wartungsarbeit an Staplern
Typische Prüfer
- • Servicetechniker des Staplerherstellers
- • Externer Prüfdienstleister
- • Eigener Mitarbeiter mit Qualifikation
NICHT nötig
- • Kein TÜV/DEKRA erforderlich
- • Stapler ist kein überwachungsbedürftiges Gerät
- • Aber: Prüfer muss unabhängig sein
Wichtig
Die prüfende Person sollte nicht dieselbe Person sein die den Stapler täglich wartet — es besteht sonst ein Interessenkonflikt (eigene Arbeit prüfen).
Sicherio erinnert automatisch 30 Tage vor der nächsten UVV-Prüfung. Prüfprotokoll digital dokumentieren, Beauftragungen verwalten, Unterweisungen nachweisen.
14 Tage kostenlos testenWas kostet die Staplerprüfung?
UVV-Prüfung Elektro-Stapler
100–180 €
UVV-Prüfung Diesel/Gas-Stapler
120–200 €
UVV-Prüfung Elektro-Hubwagen
60–100 €
UVV-Prüfung Hochregalstapler
150–250 €
Anfahrtspauschale (externer Prüfer)
50–100 €
Nachprüfung nach Mängelbeseitigung
50–80 €
Rechenbeispiel: 5 Stapler
- 5 × UVV-Prüfung (Mischflotte) = ca. 600–1.000 €
- + Anfahrtspauschale = 50–100 €
- Gesamtkosten: ca. 650–1.100 €/Jahr
Die BG beziffert die durchschnittlichen Kosten eines Stapler-Unfalls mit Personenschaden auf 30.000–80.000 €. Die jährliche UVV-Prüfung ist die günstigste Versicherung die es gibt.
Staplerschein vs. jährliche Unterweisung — Der Unterschied
Wird ständig verwechselt — hier die Klarstellung:
Was
Rechtsgrundlage
Umfang
Häufigkeit
Wer darf durchführen
Kosten
Ergebnis
Wichtig
Der Staplerschein allein reicht NICHT. Ohne schriftliche Beauftragung durch den Arbeitgeber (§7 DGUV V68) UND jährliche Unterweisung darf niemand Stapler fahren — auch nicht mit gültigem Staplerschein.
Zusätzlich nötig: Schriftliche Beauftragung
- Der Arbeitgeber muss jeden Staplerfahrer SCHRIFTLICH beauftragen (DGUV Vorschrift 68 §7)
- Die Beauftragung gilt nur für den konkreten Betrieb
- Ein Staplerschein aus einem anderen Unternehmen berechtigt nicht automatisch zum Fahren
- Voraussetzung für die Beauftragung: Staplerschein + Unterweisung + Eignung
Was passiert bei versäumter Staplerprüfung?
Ordnungswidrigkeit
Verstoß gegen BetrSichV §22 — Bußgeld bis 25.000 €.
Versicherungsschutz erlischt
Bei einem Unfall mit ungeprüftem Stapler kann der Versicherungsschutz der BG erlöschen. Die BG kann den Arbeitgeber in Regress nehmen — er zahlt die Unfallkosten selbst.
Persönliche Haftung
Der Geschäftsführer haftet persönlich. Bei Personenschäden durch ungeprüfte Stapler: Strafrechtliche Konsequenzen bei Fahrlässigkeit.
Ein Staplerfahrer übersieht einen Fußgänger im Lager. Der Stapler war seit 14 Monaten nicht geprüft — die Bremse reagiert zu spät. Ergebnis: Schwere Verletzung, BG-Regress, strafrechtliche Ermittlung gegen den Geschäftsführer. Eine Prüfung für 150 € hätte das verhindert.
Mehr zu den allgemeinen Prüfpflichten: Betriebssicherheitsverordnung
Staplerprüfung digital verwalten — mit Sicherio
- Alle Stapler mit Typ, Baujahr, Seriennummer und Foto erfassen
- UVV-Prüftermin automatisch berechnet (12 Monate nach letzter Prüfung)
- E-Mail-Erinnerung 30 Tage vor Fälligkeit
- Prüfprotokoll digital dokumentieren mit Foto-Upload
- Staplerfahrer-Beauftragung und jährliche Unterweisung im gleichen System
- PDF-Export für die BG auf Knopfdruck
10 Stapler, 15 Fahrer — alles im Griff. Prüftermine, Unterweisungen, Beauftragungen — eine Software.
14 Tage kostenlos testenHäufige Fragen zur Staplerprüfung
Mindestens einmal jährlich — UVV-Prüfung durch einen Sachkundigen nach DGUV Vorschrift 68. Zusätzlich: Tägliche Sichtprüfung durch den Fahrer vor Arbeitsbeginn.
Nein. Der Gabelstapler ist kein überwachungsbedürftiges Gerät — eine befähigte Person (Sachkundiger) reicht. Das kann ein externer Prüfdienstleister oder ein qualifizierter eigener Mitarbeiter sein.
Jährlich. Die Unterweisung muss betriebsspezifisch sein: Verkehrswege in IHREM Betrieb, Geschwindigkeitsregeln, Ladungsaufnahme, Personensicherheit. Der Staplerschein (Ausbildung) ist einmalig — die Unterweisung ist jährlich.
Ja. Nach DGUV Vorschrift 68 §7 darf der Arbeitgeber nur Personen mit dem Führen von Flurförderzeugen beauftragen die ausgebildet sind (Staplerschein) UND schriftlich beauftragt wurden. Die Beauftragung ist betriebsbezogen.
Wenn die Gabelzinken mehr als 10 % der Ausgangsdicke durch Verschleiß verloren haben oder sichtbare Risse aufweisen, müssen sie ausgetauscht werden. Der Stapler darf bis zum Austausch nicht benutzt werden.
Ja. Alle Flurförderzeuge im Sinne der DGUV Vorschrift 68 müssen jährlich geprüft werden — auch elektrische Hubwagen, Mitgänger-Flurförderzeuge und Hochregalstapler.